Ratgeber Waagen
Genauigkeitsklassen bei Waagen: Klasse I bis IIII erklärt
Feinwaage, Präzisionswaage, Handelswaage oder Grobwaage: Die Genauigkeitsklasse sagt, wie fein eine geeichte Waage wiegt und wie weit sie abweichen darf. Hier finden Sie die Tabelle aus der EU-Waagenrichtlinie, den Unterschied zwischen Eichwert und Ablesbarkeit, Beispiele aus Praxis und Labor sowie Eichpflicht und Eichfristen.
- Tabelle der Klassen I bis IIII
- Eichwert e, Ablesbarkeit d, Mindestlast
- Eichpflicht und Eichfristen
- Mit Fundstellen zum Nachlesen
Die vier Genauigkeitsklassen als Tabelle
Die EU-Richtlinie 2014/31/EU gilt für nichtselbsttätige Waagen – Waagen, die beim Wägen das Eingreifen einer Bedienungsperson erfordern (Art. 2 Nr. 2). Sie legt vier Genauigkeitsklassen fest (Anhang I Nr. 2.1): I Feinwaagen, II Präzisionswaagen, III Handelswaagen und IIII Grobwaagen.
In welche Klasse eine Waage passt, hängt von ihrem Eichwert e und der Anzahl der Eichwerte ab – also Höchstlast geteilt durch Eichwert (n = Max ÷ e). Die Mindestlast ist die kleinste Last, ab der die Waage geeichte Werte liefert.
| Klasse | Bezeichnung | Eichwert e | Mindestlast | Anzahl der Eichwerte n |
|---|---|---|---|---|
| I | Feinwaage | ab 0,001 g | 100 e | ab 50.000 |
| II | Präzisionswaage | 0,001 g bis 0,05 g | 20 e | 100 bis 100.000 |
| II | Präzisionswaage | ab 0,1 g | 50 e | 5.000 bis 100.000 |
| III | Handelswaage | 0,1 g bis 2 g | 20 e | 100 bis 10.000 |
| III | Handelswaage | ab 5 g | 20 e | 500 bis 10.000 |
| IIII | Grobwaage | ab 5 g | 10 e | 100 bis 1.000 |
Nach Richtlinie 2014/31/EU Anhang I Tabelle 1. Bei Waagen der Klassen II und III, die einen Beförderungstarif ermitteln, sinkt die Mindestlast auf 5 e.
Eichwert e und Ablesbarkeit d
Die Ablesbarkeit d (Teilungswert) ist der kleinste Schritt, den die Anzeige zeigt. Der Eichwert e ist der Schritt, auf den sich Klasse, Mindestlast und Fehlergrenzen beziehen. Beide haben die Form 1, 2 oder 5 mal eine Zehnerpotenz, etwa 0,1 g, 0,2 g oder 0,5 g (Anhang I Nr. 2.2.1).
Ohne Hilfsanzeigeeinrichtung ist d = e (Nr. 2.2.2). Zeigt die Waage feiner an, als sie geeicht ist, liegt e über d und höchstens beim Zehnfachen von d (Nr. 2.2.3) – etwa bei einer Analysenwaage mit d = 0,1 mg und e = 1 mg. Solche Waagen gehören immer in Klasse I oder II, und ihre Mindestlast wird mit d statt e berechnet (Nr. 3.1).
Achten Sie beim Vergleich geeichter Waagen deshalb auf e, nicht nur auf die Ablesbarkeit: Die Fehlergrenzen werden in Eichwerten gemessen.
Beispiele: so lesen Sie die Tabelle
Teilen Sie die Höchstlast durch den Eichwert und suchen Sie die Zeile, in die e und n passen. Verbindlich ist die Klasse, die auf dem Typenschild der Waage steht.
| Waage | Höchstlast | Eichwert (Ablesbarkeit) | n = Max ÷ e | Klasse | Mindestlast |
|---|---|---|---|---|---|
| Analysenwaage | 220 g | e = 1 mg (d = 0,1 mg) | 220.000 | I | 100 d = 10 mg |
| Präzisionswaage | 4.200 g | e = 0,1 g (d = 0,01 g) | 42.000 | II | 50 d = 0,5 g |
| Personenwaage | 250 kg | e = 100 g | 2.500 | III | 20 e = 2 kg |
| Babywaage | 20 kg | e = 10 g | 2.000 | III | 20 e = 200 g |
Rechenbeispiele mit typischen Werten nach Anhang I Tabelle 1 und Nr. 3.1; maßgeblich sind die Angaben auf dem Typenschild der jeweiligen Waage.
Fehlergrenzen: wie genau eine geeichte Waage wiegt
Wie weit die Anzeige abweichen darf, hängt von der Last ab, gemessen in Eichwerten (Anhang I Nr. 4.1, Tabelle 3). Die Fehlergrenzen gelten für Netto- und Tarawerte. Wer die Waage verwendet, muss die Verkehrsfehlergrenzen einhalten; sie betragen das Doppelte (Nr. 4.2, § 31 MessEG). Werden sie überschritten, endet die Eichfrist vorzeitig (§ 37 Abs. 2 MessEG).
| Fehlergrenze | Klasse I | Klasse II | Klasse III | Klasse IIII |
|---|---|---|---|---|
| ± 0,5 e | bis 50.000 e | bis 5.000 e | bis 500 e | bis 50 e |
| ± 1,0 e | über 50.000 e bis 200.000 e | über 5.000 e bis 20.000 e | über 500 e bis 2.000 e | über 50 e bis 200 e |
| ± 1,5 e | über 200.000 e | über 20.000 e bis 100.000 e | über 2.000 e bis 10.000 e | über 200 e bis 1.000 e |
Nach Richtlinie 2014/31/EU Anhang I Tabelle 3; Belastung in Eichwerten e.
Beispiel Personenwaage mit e = 100 g: bis 50 kg ± 50 g, über 50 kg bis 200 kg ± 100 g, darüber ± 150 g – im Gebrauch jeweils das Doppelte.
Mehrbereichs- und Mehrteilungswaagen
Viele Waagen wiegen in zwei oder drei Bereichen mit unterschiedlichem Eichwert – im unteren Bereich feiner, im oberen gröber. Mehrere Wägebereiche müssen auf der Waage deutlich angegeben sein; jeder wird für sich eingestuft, und fallen sie in verschiedene Klassen, muss die Waage die strengsten Vorschriften erfüllen (Anhang I Nr. 3.2).
Bei Mehrteilungswaagen wechselt der Eichwert innerhalb eines Wägebereichs mit der Last. Sie haben keine Hilfsanzeigeeinrichtung, und alle Teilbereiche gehören zur selben Klasse (Nr. 3.3).
Wo steht die Genauigkeitsklasse?
Auf dem Typenschild: Die Klasse steht in einem Oval oder zwischen zwei durch Halbkreise verbundenen Linien, dazu Höchstlast (Max), Mindestlast (Min), Eichwert (e) und – wenn er abweicht – der Teilungswert (d). Max, Min, e und d müssen auch in der Nähe der Gewichtsanzeige stehen (Anhang III Nr. 1.1 und 1.4).
Neue geeichte Waagen tragen außerdem CE, das Metrologiezeichen M mit Jahreszahl und die Nummer der benannten Stelle. Waagen, die nicht für eichpflichtige Zwecke bestimmt sind, nennen nur Hersteller und Höchstlast und dürfen diese Konformitätskennzeichnung nicht tragen (Anhang III Nr. 2).
Eichpflicht: wann die Waage geeicht sein muss
In Deutschland legt § 1 Abs. 2 der Mess- und Eichverordnung (MessEV) fest, wann eine Waage dem Mess- und Eichgesetz unterliegt:
- im geschäftlichen oder amtlichen Verkehr, etwa beim Verkauf nach Gewicht (Nr. 1),
- bei Analysen in medizinischen Laboratorien (Nr. 2),
- bei der Herstellung von Arzneimitteln in Apotheken auf Grund ärztlicher Verschreibung und bei Analysen in pharmazeutischen Laboratorien (Nr. 3),
- beim Wiegen von Patientinnen und Patienten aus Gründen der ärztlichen Überwachung, Untersuchung und Behandlung (Nr. 4).
Auch als Medizinprodukt bleibt eine nichtselbsttätige Waage eichpflichtig (§ 1 Abs. 4 MessEV). Eine Klasse für jeden Zweck schreibt das Gesetz nicht vor: Für die Heilkunde verlangen die Eichbehörden mindestens Klasse III; für Apotheken empfehlen ZL und DAC/NRF eine Analysenwaage der Klasse I für kleine Einwaagen und eine Präzisionswaage der Klasse II als Rezepturwaage.
Geeichte Medizinwaagen · Geeichte Apothekenwaagen · Eichfähige Waagen
Eichfristen und Nacheichung
Die Eichfrist beträgt zwei Jahre, soweit Anlage 7 der MessEV nichts anderes bestimmt (§ 34 Abs. 1). Fristen von mindestens einem Jahr enden erst am Ende des Jahres, in dem sie rechnerisch ablaufen (§ 34 Abs. 2). Die Nacheichung beantragen Sie spätestens zehn Wochen vor Ablauf bei der zuständigen Eichbehörde (§ 38 MessEG); neue Waagen müssen seit 1. Januar 2025 nicht mehr angemeldet werden.
| Waage | Eichfrist |
|---|---|
| Elektronische Waagen allgemein, z. B. Labor-, Rezeptur- und Ladenwaagen | 2 Jahre |
| Personenwaagen außerhalb von Krankenhäusern, z. B. in der Arztpraxis | unbefristet |
| Personenwaagen in Krankenhäusern, Säuglingswaagen | 4 Jahre |
| Waagen ab 3.000 kg Höchstlast (außer Baustoffwaagen) | 3 Jahre |
| Nichtselbsteinspielende Fein- und Präzisionswaagen sowie Handelswaagen unter 350 kg, z. B. Balkenwaagen | 4 Jahre |
Nach § 34 MessEV und Anlage 7 Nr. 2.2.1 bis 2.2.6. Bettenwaagen sind dort ausgenommen; für sie gelten zwei Jahre.
Eichung, Kalibrierung und Prüfgewichte
Eichung und Konformitätsbewertung bestätigen, dass eine Waage die Fehlergrenzen ihrer Klasse einhält. Eine Kalibrierung – etwa mit DAkkS-Kalibrierschein – hält dagegen die tatsächlichen Abweichungen fest, zum Beispiel für Prüfmittel im Qualitätsmanagement; eine vorgeschriebene Eichung ersetzt sie nicht. Zwischen den Prüfungen kontrollieren Sie die Waage mit Prüfgewichten.
Passende Waagen und Service
- Geeichte MedizinwaagenPersonen-, Rollstuhl- und Babywaagen der Klasse III
- Geeichte ApothekenwaagenAnalysen- und Rezepturwaagen der Klassen I und II
- Eichfähige WaagenAlle Waagen der Klassen I, II und III, Eichung mitbestellbar
- Eichung von WaagenEichung passend zum Modell Ihrer KERN-Waage
- PrüfgewichteEinzelgewichte und Gewichtssätze der OIML-Klassen E1 bis M3
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Häufige Fragen zu Genauigkeitsklassen
Welche Genauigkeitsklassen gibt es bei Waagen?
Vier: Klasse I Feinwaagen, Klasse II Präzisionswaagen, Klasse III Handelswaagen und Klasse IIII Grobwaagen (Richtlinie 2014/31/EU Anhang I Nr. 2.1). Die Klasse ergibt sich aus dem Eichwert e und der Anzahl der Eichwerte.
Was bedeutet Genauigkeitsklasse III bei einer Waage?
Klasse III steht für Handelswaagen: Eichwert ab 0,1 g, 100 bis 10.000 Eichwerte (ab e = 5 g mindestens 500) und eine Mindestlast von 20 e. Für das Wiegen von Patientinnen und Patienten verlangen die Eichbehörden mindestens Klasse III.
Was ist der Eichwert e einer Waage?
Der Schritt, auf den sich Genauigkeitsklasse, Mindestlast und Fehlergrenzen beziehen. Ohne Hilfsanzeigeeinrichtung ist er gleich der Ablesbarkeit d; sonst liegt er über d und höchstens beim Zehnfachen, z. B. d = 0,1 mg und e = 1 mg bei einer Analysenwaage.
Was ist die Mindestlast einer Waage?
Die kleinste Last, ab der die Waage geeichte Werte liefert: 100 e in Klasse I, 20 e oder 50 e in Klasse II, 20 e in Klasse III und 10 e in Klasse IIII. Zeigt die Waage feiner an als e, wird mit d gerechnet.
Was sind nichtselbsttätige Waagen?
Waagen, die beim Wägen das Eingreifen einer Bedienungsperson erfordern (Richtlinie 2014/31/EU Art. 2 Nr. 2) – etwa Labor-, Personen-, Laden- und Plattformwaagen. Für sie gelten die Genauigkeitsklassen I bis IIII.
Muss meine Waage geeicht sein?
Ja, wenn Sie sie für einen Zweck nach § 1 Abs. 2 MessEV nutzen: im geschäftlichen oder amtlichen Verkehr, für Analysen in medizinischen oder pharmazeutischen Laboratorien, für die Rezeptur in der Apotheke oder zum Wiegen von Patientinnen und Patienten in der Heilkunde.
Wie lange gilt die Eichung einer Waage?
In der Regel zwei Jahre bis zum Jahresende (§ 34 MessEV). Ausnahmen nach Anlage 7: Personenwaagen außerhalb von Krankenhäusern unbefristet, Personenwaagen in Krankenhäusern und Säuglingswaagen vier Jahre, Waagen ab 3.000 kg Höchstlast drei Jahre.
Wo steht die Genauigkeitsklasse auf der Waage?
Auf dem Typenschild, in einem Oval oder zwischen zwei durch Halbkreise verbundenen Linien, zusammen mit Max, Min und e (Richtlinie 2014/31/EU Anhang III Nr. 1.1).
Quellen: Richtlinie 2014/31/EU über nichtselbsttätige Waagen (EUR-Lex), § 1 MessEV, § 34 MessEV, MessEV Anlage 7 (Eichfristen), § 31 MessEG, § 38 MessEG, AGME-Infoblatt „Waagen in der Heilkunde“ (Stand 12.11.2024), ZL/DAC-NRF: Auswahl der Waage. Stand der Angaben: Oktober 2026 – Richtlinie 2014/31/EU (Anhang I und III), MessEV §§ 1 und 34 mit Anlage 7, MessEG §§ 31, 37 und 38. Die Seite fasst zusammen und ersetzt nicht den Originaltext; im Einzelfall entscheidet die zuständige Eichbehörde.
